Bentley Continental GT Convertible S

Bentley Continental GT Convertible S

Grand Touring unter freiem Himmel

Autor
Isabelle Guignet
Urheberrechte ©
Bentley | Christian Bugnon
Veröffentlichung
Août 2026

Es gibt Automobile, die man fährt, und andere, die der Strasse Leben einhauchen. Der neue Bentley Continental GT Convertible S gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Mit ihm wird eine Reise zu weit mehr als einer einfachen Fortbewegung: Sie wird zu einem zeitlosen Moment, in dem sich Fahrvergnügen, Eleganz, Kraft und dieses ganz besondere Gefühl des Aufbruchs zu einem Abenteuer verbinden. Ein Test Drive von helvet magazin mit Wind im Haar.

Die 1919 gegründete Marke Bentley entstand aus dem Rennsport mit dem Anspruch, Automobile zu bauen, die Rennen gewinnen können, bevor sie zu einer der prägendsten Marken des britischen Grand Tourings wurde. Darin zeigt sich die typische Bentley-DNA: die kompromisslose Verbindung von Leistung und Raffinesse. Der Continental GT ist ihr wohl schönster Ausdruck. Seit seiner Einführung Anfang der 2000er-Jahre hat die Ikone die Regeln des modernen GT neu definiert. Er bewältigt lange Strecken mit verblüffender Leichtigkeit und zeigt seine sportlichen Gene, sobald die Strasse anspruchsvoller wird.

Performance im Dienste des Luxus
Unter der Haube setzt Bentley auf kontrollierte Übertreibung: Ein 4,0-Liter-V8-Benzinmotor mit Biturboaufladung wird mit einem Elektromotor kombiniert und entwickelt eine Systemleistung von 680 PS sowie ein maximales Drehmoment von 930 Nm. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert der Convertible in nur 3,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 308 km/h. Je nach Bedingungen kann das Fahrzeug bis zu rund 80 Kilometer rein elektrisch zurücklegen. Und eines muss man zugeben: Dank des Hybridantriebs kann der Bentley beinahe in klösterlicher Stille losfahren, bevor der V8 bei der kleinsten Betätigung des Gaspedals erwacht.

Das „S“ steht dabei nicht nur für eine Frage des Designs und auch nicht ausschliesslich für Sportlichkeit. Es verkörpert eine dynamischere Interpretation des Continental GT Convertible. Bentley stattet ihn mit seinem Performance Active Chassis aus, das unter anderem eine Allradlenkung, ein elektronisches Sperrdifferenzial mit Torque Vectoring sowie das System Bentley Dynamic Ride umfasst. Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte Balance zwischen dem Komfort einer Luxuslimousine und der Agilität eines Sportwagens.

Von Nyon nach Le Brassus – mit dem Himmel als einzigem Dach
Der Grund für die Fahrt an diesem Morgen hatte vier Räder, eine skulpturale Silhouette und ein Dach, das vermutlich nicht lange geschlossen bleiben würde. Der neue Bentley Continental GT Convertible S wartet geduldig, während mir mein Chefredaktor den Schlüssel reicht. Imposant, zweifellos, aber ohne jede Spur von Aufdringlichkeit. Er besitzt jene typisch britische Eleganz, die nicht um jeden Preis Aufmerksamkeit sucht. Erst hinter dem Lenkrad wird deutlich, dass sich unter dieser zurückhaltenden Erscheinung ein deutlich selbstbewussterer Charakter verbirgt.

Unser Ziel: Le Brassus. Von Nyon führt die Strasse gemächlich in Richtung Jura. Bei ruhigem Tempo zeigt sich der Bentley von einer bemerkenswert sanften Seite, jede Bewegung wirkt mühelos und fliessend. Dann folgen die ersten Kurven des Col du Marchairuz. Ich drücke aufs Gaspedal und der V8 meldet sich zu Wort. Allein der zunehmend präsente Klang aus den Auspuffen lässt uns wie zwei glückliche Kinder grinsen. Die Allradlenkung trägt zu einem überraschenden Gefühl von Leichtigkeit bei: Angesichts der Dimensionen und des Gewichts von 2,4 Tonnen könnte man eine gewisse Schwerfälligkeit erwarten – doch davon ist nichts zu spüren.

In Le Brassus schlüpft der Bentley wieder in seine Rolle als komfortabler Grand Tourer und bringt uns zum Hôtel des Horlogers, wo wir zu einem ausgesprochen stilvollen Mittagessen Halt machen. Wir werden wunderbar empfangen. Wie das Vallée de Joux selbst pflegt auch das Hotel eine elegante Verbindung von zeitgenössischem Design, Natur und uhrmacherischer Präzision. Ein feines Essen, weit weg von der Hektik, dann geht es weiter.

Jetzt spielt die Geschwindigkeit keine Rolle mehr. Wir geniessen die Landschaft der Weiden, probieren die neuesten technischen Raffinessen aus – Massagesitze, die Leistung des Audiosystems, den magnetischen Schlüssel am Armaturenbrett, das Öffnen und Schliessen des Dachs – und ertappen uns dabei, wie wir beinahe nonchalant dahingleiten, so mühelos fühlt sich das Fahren an.

Und vielleicht ist das das schönste Kompliment, das man einem Continental GT Convertible S machen kann: Nach mehreren Stunden am Steuer wünscht man sich schlicht, die Strasse möge noch lange weitergehen.

Wussten Sie schon?
Das Bentley-Logo ist asymmetrisch. Als Walter Owen Bentley 1919 den Künstler F. Gordon Crosby mit der Gestaltung des Markenemblems beauftragte, entwarf dieser das berühmte geflügelte „B“ mit zehn Federn auf der linken und elf auf der rechten Seite. Die Asymmetrie war bewusst gewählt, um das Logo einzigartig zu machen und von Fälschungen abzuheben. In den 1930er-Jahren, nach der Übernahme von Bentley durch Rolls-Royce, wurde das Logo symmetrisch und erhielt zehn Federn auf jeder Seite. Mit der Einführung des ersten Continental GT im Jahr 2002 entschied sich Bentley schliesslich, zur historischen Asymmetrie zurückzukehren. 2025 präsentierte Bentley eine neue Generation des Winged B, bei der die oberen Federn durch grafischere, markantere Flügel ersetzt wurden, inspiriert vom Wanderfalken.

Bei Bentley hat selbst das kleinste Detail seine eigene Geschichte.

bentleymotors.com
bentley-chevalley.ch