Glacier Express

Legendärer Panoramazug

Text Daniel Bauchervez / Foto Glacier Express
Erscheinungstermin Winter 2018-2019

Der Glacier Express ist der wohl berühmteste Alpenzug und unbestrittener Liebling der internationalen Gäste. Auf einer knapp achtstündigen Panoramareise fährt er durch drei Kantone und fantastische Landschaften vom mondänen St. Moritz zum Matterhorndorf Zermatt. Eine echte Schweizer Odyssee!

Der Glacier Express ist der langsamste Zug der Welt, sagt der Slogan. Umso besser. Der Panoramazug bahnt sich seinen Weg in weiten Kurven durch Täler, klettert durch Tannenwälder in die Höhe, erklimmt Pässe, schlängelt sich über sanfte Alpwiesen und durch tiefe Schluchten und passiert rauschende Bergflüsse und urtümliche Dörfer, die aussehen, als wäre die Zeit stehen geblieben. Dabei durchfährt er 91 Tunnels und überquert 291 Brücken – das heisst eine pro Kilometer. Der Glacier Express ist definitiv kein Zug für gestresste Pendler!
St. Moritz, 9.15 Uhr. Die ersten Impressionen lassen nicht auf sich warten. Vom Bahnhof blickt man direkt auf den stahlblauen St. Moritzersee, der den Oberengadiner Bergen seinen farblosen Spiegel hinhält. Wenig später zeichnen sich auf der rechten Seite Lärchenwälder und der kahle Gipfel des Ausflugsbergs Muottas Muragl (2453 m) vom Horizont ab. Ab jetzt jagt ein Höhepunkt den nächsten. Der Zug verlässt das Inntal und nimmt die Passagiere mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Im Albulatal wurden während der Blütezeit der Eisenbahn 55 Brücken und 39 Tunnels errichtet. Stellenweise erreicht die Steigung 7 Grad. Der Glacier Express bewältigt sie mithilfe mehrerer Spiral- und Kehrtunnels und talquerender Viadukte. Nach Filisur und einem weiteren durch den Fels gebohrten Tunnel überquert die Bahn das Landwasserviadukt mit faszinierender Sicht auf die 65 Meter tiefe Schlucht. Die Albulalinie wurde nicht zuletzt aufgrund dieser technischen Paradestücke aus der Bahnpionierzeit ins UNESCO-Welterbe aufgenommen.
Die Weiterfahrt bleibt spektakulär. Im Norden Graubündens wartet die wildromantische Rheinschlucht mit ihren weissen Felswänden und den schroffen Gesteinsformationen, die ihr den Übernamen „Grand Canyon der Schweiz“ eingetragen haben. Zu sehen bekommen dieses Naturwunder nur die Zugfahrgäste, Wanderer und Velofahrer. Mit dem Oberalppass (2033 m) erreicht der Glacier Express seinen höchsten Punkt, fährt dann weiter nach Andermatt, durch den Furkatunnel und das Oberwalliser Hochtal Goms mit seinen urchigen Dörfern. Direkt darüber verläuft der Aletschgletscher. Er ist zwar nicht zu sehen, aber allein schon das Wissen, dass er sich in unmittelbarer Nähe befindet, ist verlockend.
In Visp biegt der Glacier Express ein letztes Mal ab, verlässt das Rhonetal und steigt sanft in Richtung Zermatt empor. In der Ferne drängen sich schneebedeckte Gipfel ins enge V des Tals. Sie rücken immer näher. Ungeduldig sucht das Auge das Panorama ab. Am Bahnhof von Zermatt ist es endlich soweit: im Blickfeld der Berg der Berge, das ­Matterhorn in seiner ganzen Pracht.
Wer sich etwas mehr Zeit nehmen möchte, um die traumhaften Panoramen zu geniessen, kann das mit dem Glacier Pullman Express tun. Er legt die Strecke in zwei Tagen mit Übernachtung in Andermatt zurück. In den Pullman-­Wagons wird die Bahnreise zur Zeitreise und zum Erlebnis für Nostalgiker. Die Wagen stammen aus den 1930er-Jahren, verfügen über eine Pianobar und ein Vintage-Restaurant mir gaufrierten, goldfarbenen Bänken wie im Orient Express. Gezogen wird die historische Zugkomposition von der legendären Lokomotive „Krokodil“.

www.glacierexpress.ch
www.rhb.ch/de/panoramazuege/gl...

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