Die PdG

Die PdG

wieder auf Kurs

Autor
Laurent Grabet
Urheberrechte ©
François Perraudin
Veröffentlichung
Winter 2021

Über dem berühmten Skitouren-Wettkampf waren dunkle Wolken aufgezogen, seine Zukunft stand ernsthaft auf der Kippe. Kommenden Frühling wagt die PdG einen Neuanfang.

Letztes Jahr fiel die Patrouille des Glaciers (PdG) wegen Corona aus, dann wurde sie von einer Lawine an Negativschlagzeilen überrollt. Sie geriet ins Schlingern und sah ihre Zukunft gefährdet. Um aus der Krise herauszufinden, haben die Verantwortlichen aufgeräumt und eine solide Basis für die Zukunft geschaffen. Wie kürzlich bekannt wurde, ist die Durchführung der nächsten vier Ausgaben dank einer Neuorganisation gesichert. 2022 startet das legendäre, 1943 erstmals durchgeführte Walliser Skitourenrennen einen Neuanfang.

Schluss mit Exzessen

Vom 25. April bis 1. Mai 2022 werden sich an der 23. PdG insgesamt 1600 Dreierpatrouillen aufmachen, die 57,5 Kilometer und 4386 positiven Höhenmeter von Zermatt nach Verbier zu absolvieren. Der Streckenverlauf bleibt unverändert, neu ist hingegen die Aufgabenverteilung. Die PdG wurde nach einem lange schwelenden Streit neu aufgestellt und der seit 1995 für die Sponsoren und das Marketing zuständige private Verein zur Unterstützung, Verwaltung und Förderung der Patrouille des Glaciers (ASPdG) entmachtet. Er hatte sich durch die anhaltenden Querelen mit der Armee und überrissene Vergütungen selbst ins Abseits manövriert. Nach einer Übergangsphase unter der Leitung eines sanierten ASPdG wird der Staat Wallis über eine neu gegründete gemeinnützige Stiftung die Werbung und das Marketing des Wettkampfs übernehmen. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) sorgt weiterhin für die Organisation und das Management. Ausserdem löst Kommandant Roger Schwery den Freiburger Daniel Jolliet ab sofort an der Spitze ab. Der Oberwalliser, der selbst mehrmals an der PdG mitgelaufen ist, hat die Aufgabe, das Image des für seinen Kanton so wichtigen Anlasses aufzupolieren.

Was ändert und was nicht

Für die Teilnehmenden selbst gibt es drei Änderungen. Erstens findet das Briefing vor dem Rennen künftig für alle Patrouillen in der Kirche von Zermatt statt und wird via Live-Stream übertragen. Zweitens sind die Teilnehmenden der Kleinen Patrouille nicht mehr gezwungen, die Nacht vor dem Rennen im Val d'Hérens zu verbringen. Drittens werden die Patrouillen aus Umweltgründen bevorzugt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln befördert und in der Anmeldegebühr ist eine SBB-Tageskarte für die Strecke zwischen dem Wohnort der Läuferinnen und Läufer und dem Start-/Zielort des Rennens enthalten.

Alles andere ist witterungs- und schneeabhängig. Um den Rekord von 2018 zu unterbieten – 5h35 bei den Männern und 7h15 bei den Frauen – bräuchte es aussergewöhnlich gute Bedingungen. Schmerzhaft wird die Teilnahme sowieso, denn an der PdG läuft man am Limit. Drei Walliser Soldaten aus Orsières haben 1949 sogar ihr Leben gelassen. «Die PdG ist ein zwischenmenschliches Abenteuer, eine Reise durch die Geschichte, die Berge, durch Freundschaft und Gefühle», beschrieb Kommandant Jolliet das Rennen. Das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern.

pdg.ch